Immobilien

Sale-and-Lease-back für Unternehmen: Liquidität aus der Betriebsimmobilie

FG
FörderGuide-Redaktion
Stand der Quellen: 27. Oktober 2026 · Lesezeit ca. 7 Min.
Eine Betriebsimmobilie bindet oft Millionen. Beim Sale-and-Lease-back wird sie verkauft und zurückgemietet. Hier stehen Ablauf, Faustwerte, die steuerlichen Prüfpunkte und die Alternativen.
Kaufpreis
10 bis 12 x
Nettokaltmiete als Faustwert
Mietvertrag
10 bis 15 Jahre
mit Verlängerungsoptionen
Volumen
ab ca. 5 Mio. €
bei größeren Anbietern, darunter Spezialanbieter
Erlös
80 bis 100 %
des Verkehrswerts bei unbelasteter Immobilie

Was Sale-and-Lease-back bedeutet

Das Unternehmen verkauft seine Betriebsimmobilie an einen Investor und mietet sie direkt zurück. Es erhält den Kaufpreis als Liquidität und nutzt die Immobilie unverändert weiter. Rechtlich ist das keine eigene Vertragsart, sondern ein Gesamtkonzept aus Kaufvertrag und Mietvertrag, die eng zusammenhängen. Der Kaufvertrag über ein Grundstück braucht eine notarielle Beurkundung.

Wann es sich lohnt und wann nicht

Der Weg passt, wenn die Immobilie werthaltig und für andere Nutzer geeignet ist, das Unternehmen langfristig am Standort bleiben will und Kapital für Wachstum, Nachfolge, Investitionen oder die Ablösung teurer Verbindlichkeiten braucht. Er passt weniger, wenn die Immobilie stark auf den eigenen Betrieb zugeschnitten ist, wenn Sie die Wertsteigerung behalten wollen oder wenn die laufende Miete die Ertragskraft zu stark belastet.

KriteriumSale-and-Lease-backGrundschuldkredit
MittelzuflussVerkaufserlös, grob 80 bis 100 % des Verkehrswerts bei unbelasteter ImmobilieBeleihung typisch 50 bis 75 % des Objektwerts
EigentumGeht auf den Investor überBleibt beim Unternehmen
Laufende BelastungMiete, häufig als Triple-Net-Vertrag (Mieter trägt Betrieb und Instandhaltung)Zins und Tilgung
BindungMietvertrag typisch 10 bis 15 Jahre, mit VerlängerungsoptionenZinsbindung und Laufzeit des Kredits
SteuerGewinn aus der Auflösung stiller Reserven, Mieten als BetriebsausgabeZinsen als Betriebsausgabe
Geeignet beiHohem Kapitalbedarf, werthaltiger Immobilie mit guter DrittverwendbarkeitModeratem Kapitalbedarf, Wunsch nach Eigentum

Stand Oktober 2026. Werte sind Orientierungsgrößen aus Anbieterangaben, im Einzelfall entscheidet der Investor bzw. die Bank.

Was Investoren verlangen

Üblich ist ein langfristiger Mietvertrag von etwa 10 bis 15 Jahren, häufig mit Verlängerungsoptionen und Mietanpassung nach Verbraucherpreisindex. Als Faustwert für den Kaufpreis gilt das 10- bis 12-Fache der Nettokaltmiete, bei eingeschränkter Drittverwendbarkeit mit Abschlägen. Größere Anbieter verlangen häufig einen Verkehrswert ab etwa 5 Mio. €, manche Investoren sind erst bei deutlich höheren Volumen aktiv. Für kleinere Objekte gibt es spezialisierte Anbieter. Der Prozess dauert von der ersten Anfrage bis zur Beurkundung meist mehrere Wochen bis wenige Monate.

Beispiel: Betriebsimmobilie mit 480.000 € Nettokaltmiete

Beispiel (Planungsrechnung): Eine Produktionsimmobilie mit einer marktüblichen Nettokaltmiete von 480.000 € im Jahr erzielt nach dem Faustwert einen Kaufpreis von rund 4,8 bis 5,8 Mio. €. Bei einem Buchwert von 2,0 Mio. € entsteht ein steuerpflichtiger Gewinn aus der Auflösung der stillen Reserven in Millionenhöhe, den Sie vorab mit dem Steuerberater durchrechnen müssen. Zugleich zahlt das Unternehmen bei einem Mietvertrag über 10 Jahre rund 4,8 Mio. € Miete, also etwa den Verkaufserlös. Der Liquiditätsvorteil entsteht heute, die Belastung verteilt sich über die Laufzeit.

Steuern und Bilanz: Die drei Prüfpunkte

In der Bilanz verschwindet das Gebäude, die Eigenkapitalquote kann durch den Buchgewinn steigen. Wer nach IFRS bilanziert, muss die Mietverträge nach IFRS 16 abbilden. Lassen Sie die steuerliche und bilanzielle Wirkung vorab berechnen.

Förderung und Zweckbindung: Das wird oft übersehen

Ein Sale-and-Lease-back ist keine Fördermaßnahme. Aber Förderung spielt trotzdem hinein: Wurde die Immobilie mit Zuschüssen finanziert, kann die Zweckbindung (bei der GRW mindestens fünf Jahre) einem Verkauf entgegenstehen oder Rückforderungen auslösen. Auch bestehende Grundschulden müssen abgelöst werden oder die Gläubiger zustimmen. Wer nach dem Verkauf saniert, sollte vorab klären, wer für ein Förderprogramm antragsberechtigt ist, denn Eigentümer ist dann der Investor.

Alternativen im Vergleich

Je nach Ziel kommen ein ERP-Förderkredit KMU für Gebäude und Grundstücke (bis 25 Mio. €, Laufzeit bis 20 Jahre), eine Bürgschaft der Bürgschaftsbank (bis 2 Mio. €, höchstens 80 % des Ausfallrisikos) oder ein klassischer Grundschuldkredit in Frage. Bei Nachfolgelösungen siehe Unternehmensnachfolge finanzieren.

So gehen Sie vor

  1. Bedarf und Ziel festlegen: Wie viel Liquidität, wofür und für wie lange bleibt der Standort gesichert?
  2. Immobilie bewerten lassen: Verkehrswert, Nettokaltmiete, Drittverwendbarkeit, Zustand, Belastungen im Grundbuch.
  3. Steuerberater einbinden: Stille Reserven, Grunderwerbsteuer, Gewerbesteuer und Bilanz durchrechnen.
  4. Alternativen vergleichen: Grundschuldkredit und ERP-Kredit gegen die Gesamtkosten der Miete stellen.
  5. Investoren ansprechen: Unterlagen aufbereiten, mehrere Angebote einholen und Mietvertrag mitverhandeln (Laufzeit, Optionen, Indexierung).
  6. Beurkunden: Kauf- und Mietvertrag gemeinsam notariell abschließen.

Häufige Fragen

Was ist ein Sale-and-Lease-back bei Immobilien?

Das Unternehmen verkauft seine Immobilie an einen Investor und mietet sie langfristig zurück. Es erhält den Kaufpreis als Liquidität und nutzt die Immobilie weiter.

Wie hoch ist der Verkaufserlös?

Als Faustwert gilt das 10- bis 12-Fache der Nettokaltmiete, bei unbelasteter und gut nachnutzbarer Immobilie grob 80 bis 100 % des Verkehrswerts. Der Investor legt den Preis nach Objekt und Mieterbonität fest.

Welche Steuern fallen an?

Vor allem die Besteuerung der stillen Reserven, die Grunderwerbsteuer beim Verkauf und die gewerbesteuerliche Hinzurechnung der Mieten. Lassen Sie das vorab vom Steuerberater berechnen.

Kann ich die Immobilie später zurückkaufen?

Das ist Verhandlungssache. Rückkauf- oder Verlängerungsoptionen lassen sich im Vertrag vereinbaren, sind aber nicht der Regelfall.

Gibt es Förderung für ein Sale-and-Lease-back?

Nein, es ist keine Fördermaßnahme. Förderkredite wie der ERP-Förderkredit KMU oder Bürgschaften können aber Alternativen sein, und bestehende Zweckbindungen aus früheren Förderungen sind vorab zu prüfen.

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Quellen

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Finanzierungsberatung. Konditionen und Fördervoraussetzungen ändern sich, maßgeblich sind die Programmunterlagen der Förderinstitute und die Entscheidung Ihrer Hausbank. Stand: 27. Oktober 2026.